Wechselrichter richtig neu starten: Reihenfolge von AC und DC

Kurz gesagt

Zum Ausschalten zuerst den AC-Leitungsschutzschalter, dann den DC-Trennschalter am Wechselrichter ausschalten. Danach warten, bis die Anzeige erloschen ist – SMA nennt 5 Minuten, Fronius beim GEN24 2 Minuten. Eingeschaltet wird in umgekehrter Reihenfolge: erst DC, dann AC.

Ein Neustart behebt viele vorübergehende Störungen: hängende Kommunikation, eine Fehlermeldung nach einem kurzen Netzausfall oder ein eingefrorenes Display. Wichtig ist dabei die Reihenfolge. Wer den DC-Schalter unter voller Last betätigt oder zu früh wieder einschaltet, belastet das Gerät unnötig. Hier erfährst du, wie die Hersteller den Neustart vorsehen.

Warum die Reihenfolge zählt

Ein Wechselrichter hat zwei Seiten. Die DC-Seite kommt von den Modulen und führt bei Licht mehrere hundert Volt Gleichspannung. Die AC-Seite ist der Anschluss an das Hausnetz. Solange beide Seiten verbunden sind, fließt Strom durch das Gerät.

Schaltest du zuerst die AC-Seite ab, erkennt der Wechselrichter den Netzausfall und stellt die Einspeisung innerhalb von Sekundenbruchteilen ein. Der DC-Trennschalter wird danach praktisch ohne Last geöffnet. Genau diese Reihenfolge schreiben SMA und Fronius in ihren Betriebsanleitungen vor. Der DC-Lasttrennschalter ist zwar dafür ausgelegt, auch unter Last zu schalten, doch jeder Schaltvorgang unter Strom verschleißt die Kontakte.

Schritt für Schritt: Ausschalten

  1. AC-Seite ausschalten. Den Leitungsschutzschalter des Wechselrichters im Zählerschrank ausschalten. Er ist meist beschriftet, zum Beispiel mit „PV“ oder „WR“. Bei Hybridwechselrichtern mit Batterie schaltest du laut Fronius auch den Schutzschalter der Batterie aus, sofern vorhanden.
  2. DC-Trennschalter ausschalten. Den Drehschalter am Wechselrichter auf „0“ oder „Aus“ stellen. Bei manchen Anlagen sitzt der DC-Trennschalter separat neben dem Gerät. Mehr dazu im Ratgeber DC-Freischalter.
  3. Warten. Im Gerät stecken Kondensatoren, die sich erst entladen müssen. Warte, bis alle LEDs und das Display aus sind. SMA gibt für den Sunny Boy 5 Minuten an, Fronius für den Symo GEN24 eine Entladezeit von 2 Minuten. Schau am besten in die Anleitung deines Geräts. Im Zweifel wartest du einfach 5 Minuten.

Schritt für Schritt: Einschalten

  1. DC-Trennschalter einschalten. Den Schalter am Wechselrichter wieder auf „I“ oder „Ein“ stellen.
  2. AC-Seite einschalten. Den Leitungsschutzschalter im Zählerschrank einschalten.
  3. Startphase abwarten. Der Wechselrichter prüft jetzt Netz, Isolation und Relais. Beim SMA Sunny Boy leuchten zuerst alle drei LEDs, nach etwa 90 Sekunden gehen sie aus und die grüne LED blinkt. Bis tatsächlich eingespeist wird, können einige Minuten vergehen. Nach einem Neustart muss das Netz stabil sein, bevor sich das Gerät wieder zuschaltet.

Diese Reihenfolge, erst DC und dann AC, steht so in der Anleitung des SMA Sunny Boy und des Fronius GEN24. Manche Hersteller erlauben auch eine andere Reihenfolge beim Einschalten. Maßgeblich ist immer die Anleitung deines Geräts.

Was du dabei nicht tun solltest

  • Keine DC-Stecker ziehen. Die MC4-Stecker an den Modulkabeln sind keine Schalter. Unter Last gezogen entsteht ein Lichtbogen, der Stecker und Finger verbrennen kann.
  • Das Gehäuse nicht öffnen. Für einen Neustart ist das nie nötig. Im Inneren können auch nach dem Abschalten noch gefährliche Spannungen anliegen.
  • Nicht im Minutentakt neu starten. Wenn der Fehler nach dem ersten Neustart sofort zurückkommt, bringt ein zweiter und dritter Versuch nichts. Dann liegt eine echte Ursache vor.
  • Nicht bei Warnsignalen schalten. Riecht es verbrannt, ist das Gehäuse sehr heiß oder siehst du Rauch, schalte nur die AC-Seite im Zählerschrank ab, halte Abstand und ruf den Fachbetrieb. Wie du im Notfall vorgehst, steht im Ratgeber PV-Anlage sicher abschalten.

Neustart ohne Schalter: Software-Neustart

Viele moderne Geräte lassen sich auch über die Weboberfläche oder die App neu starten. Das reicht oft, wenn nur die Kommunikation hängt, etwa wenn der Wechselrichter im Portal offline ist, aber normal einspeist. Ein Software-Neustart löscht keine Einstellungen. Anders ist es beim Zurücksetzen auf Werkseinstellungen: Das löscht unter Umständen Länderdatensatz, Netzwerk- und Einspeiseeinstellungen. Das gehört in die Hand des Installateurs. Den Unterschied erklärt der Ratgeber Wechselrichter-Reset.

Wann ein Neustart hilft und wann nicht

Ein Neustart hilft typischerweise bei:

  • einer Fehlermeldung, die nach einem Netzausfall oder Gewitter hängen geblieben ist,
  • eingefrorenem Display oder hängender Bedienung,
  • Kommunikationsproblemen mit Portal, Datenlogger oder Speicher.

Er hilft nicht bei Fehlern mit einer physischen Ursache, zum Beispiel einem Isolationsfehler, zu hoher Netzspannung oder einem defekten Lüfter. Solche Meldungen kommen nach dem Neustart zurück, manchmal sofort, manchmal erst bei der nächsten Sonne oder dem nächsten Regen. Dann hilft der Ratgeber Fehlercode kommt immer wieder weiter.

Tipp: Notiere vor dem Neustart den genauen Fehlercode und die Uhrzeit oder mach ein Foto vom Display. Nach dem Neustart ist die Meldung vielleicht weg, der Installateur braucht sie aber für die Diagnose. Wo alte Meldungen gespeichert sind, erfährst du im Ratgeber Fehlerspeicher auslesen.

Kurz zusammengefasst

Aus: erst AC, dann DC, dann warten, bis alles dunkel ist. Ein: erst DC, dann AC, dann einige Minuten Geduld. Kommt der Fehler danach zurück, ist ein weiterer Neustart sinnlos. Dann sollte der Fachbetrieb die Ursache suchen.

Redaktion PV-Fehler · Stand: · Angaben ohne Gewähr.

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