Lichtbogenfehler (AFCI) am Wechselrichter erklärt

Kurz gesagt

Ein Lichtbogenfehler bedeutet, dass die AFCI-Erkennung des Wechselrichters auf der Gleichstromseite einen Lichtbogen festgestellt hat. Meist steckt ein loser, falsch gecrimpter oder korrodierter DC-Stecker dahinter. Weil daraus ein Brand entstehen kann, sperrt sich das Gerät; die Fehlerstelle muss eine Elektrofachkraft suchen, bevor die Anlage wieder läuft.

Der Lichtbogenfehler ist eine der wenigen Meldungen, bei denen du nicht einfach abwarten oder neu starten solltest. Bei Growatt heißt er Error 200, bei GoodWe „DC Arc Fault“, bei Huawei Alarm 2002 „DC Arc Fault“. Er bedeutet, dass auf der Gleichstromseite deiner Anlage möglicherweise gerade etwas schmort.

Was ein Lichtbogen ist

Ein Lichtbogen entsteht, wenn Strom über eine Lücke springt, zum Beispiel an einem Stecker, der nicht richtig sitzt. Bei Wechselstrom erlischt so ein Bogen hundertmal pro Sekunde von selbst, weil die Spannung durch null geht. Gleichstrom hat keinen Nulldurchgang. Ein DC-Lichtbogen brennt deshalb stabil weiter, wird mehrere tausend Grad heiß und kann Kabel, Dachbalken und Dämmung entzünden.

Man unterscheidet zwei Arten:

  • Serieller Lichtbogen: entsteht an einer Unterbrechung im Stromkreis, also an losen oder defekten Steckern, gebrochenen Leitern oder Lötstellen im Modul. Das ist der häufigste Fall.
  • Paralleler Lichtbogen: entsteht zwischen Plus und Minus oder gegen Erde, wenn die Isolation beschädigt ist. Er ist seltener, aber besonders gefährlich.

Was die AFCI-Erkennung macht

AFCI steht für Arc Fault Circuit Interrupter, auf Deutsch Lichtbogenerkennung. Der Wechselrichter überwacht dabei den Gleichstrom auf ein typisches hochfrequentes Rauschen, das Lichtbögen erzeugen. Erkennt er das Muster, schaltet er innerhalb von Sekunden ab. Ohne Stromfluss erlischt der Lichtbogen.

In den USA ist AFCI seit Jahren Pflicht, geprüft nach UL 1699B. In Europa gibt es mit IEC 63027 eine Produktnorm, eine allgemeine Pflicht zum Einbau besteht in Deutschland aber nicht. Viele neuere Geräte von Huawei, Growatt, GoodWe, SMA, Fronius oder Hoymiles haben die Funktion trotzdem an Bord, oft als Option, die der Installateur aktiviert.

Ursachen

  • Loser oder nicht eingerasteter DC-Stecker (sehr häufig): Der Stecker sitzt nicht ganz, oft bei der Montage übersehen.
  • Falsch gecrimpte Kontakte (häufig): Mit ungeeignetem Werkzeug gecrimpte MC4-Kontakte haben einen erhöhten Übergangswiderstand. Sie werden warm und irgendwann locker.
  • Stecker verschiedener Hersteller (häufig): Stecker, die nur „kompatibel“ sind, passen mechanisch, haben aber oft schlechten Kontakt. Fachleute nennen das Kreuzstecken, und die Hersteller schließen es ausdrücklich aus.
  • Korrosion und Feuchtigkeit (gelegentlich): Wasser in einem Stecker lässt die Kontakte über Jahre korrodieren.
  • Schaden am Kabel oder Modul (gelegentlich): Marderbiss, gebrochene Leiter, defekte Lötstellen oder eine verschmorte Anschlussdose.
  • Fehlauslösung (gelegentlich): Störsignale von anderen Geräten, lange Kabelwege oder Optimierer können die Erkennung täuschen. Das kommt vor, sollte aber erst angenommen werden, wenn die Verkabelung nachweislich in Ordnung ist.

Was jetzt zu tun ist

  1. Nicht quittieren und nicht neu starten. Viele Geräte sperren sich nach einem Lichtbogenfehler dauerhaft. Das ist Absicht. Wer die Sperre aufhebt, ohne die Ursache zu kennen, riskiert einen erneuten Lichtbogen.
  2. Auf Rauch und Brandgeruch achten. Riecht es auf dem Dachboden oder am Wechselrichter verbrannt, AC-Sicherung ausschalten, Abstand halten und im Zweifel die Feuerwehr rufen. Mehr dazu im Ratgeber PV-Anlage sicher abschalten.
  3. Code und Zeitpunkt notieren. Viele Wechselrichter zeigen auch, an welchem Eingang der Lichtbogen erkannt wurde. Das spart dem Installateur viel Suche.
  4. Installateur rufen. Er muss die Verkabelung prüfen, bevor die Anlage wieder läuft.
  5. Keine Stecker selbst ziehen. DC-Stecker unter Last zu trennen erzeugt genau das, was du vermeiden willst: einen Lichtbogen.

Wie die Fehlerstelle gefunden wird

Der Installateur beginnt am gemeldeten Eingang und prüft alle Stecker auf Sitz, Verfärbung und Schmelzspuren. Eine Wärmebildkamera zeigt bei laufender Anlage Stellen mit erhöhtem Übergangswiderstand, lange bevor sie sichtbar schmoren. Verdächtige Stecker ersetzt er durch neue, passende Originale und crimpt sie mit dem richtigen Werkzeug.

Liegt die Stelle auf dem Dach, kann ein Gerüst oder eine Hebebühne nötig werden. Das treibt die Kosten, ist aber gut investiertes Geld. Ein Brand auf dem Dach ist ungleich teurer.

Fehlauslösung oder echter Fehler?

Tritt die Meldung auf, obwohl der Installateur alles geprüft und nichts gefunden hat, kann eine Fehlauslösung vorliegen. Manche Hersteller bieten Firmware-Updates, die die Erkennung verbessern, oder erlauben es, die Empfindlichkeit anzupassen. Das AFCI komplett abzuschalten ist keine gute Idee. Diese Entscheidung sollte nur der Installateur in Absprache mit dem Hersteller treffen, denn sie kann auch Folgen für Garantie und Versicherung haben.

Kurz zusammengefasst

Ein Lichtbogenfehler ist ein ernstes Warnsignal. Meist steckt ein schlechter DC-Stecker dahinter, der schmoren und einen Brand auslösen kann. Nicht quittieren, nicht neu starten, keine Stecker ziehen. Code notieren, auf Brandgeruch achten und den Installateur rufen. Erst wenn die Fehlerstelle gefunden und repariert ist, darf die Anlage wieder laufen.

Redaktion PV-Fehler · Stand: · Angaben ohne Gewähr.

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