PV-Anlage sicher abschalten: Schritt für Schritt im Notfall

Kurz gesagt

Im Notfall schaltest du zuerst die AC-Sicherung des Wechselrichters im Zählerschrank aus, dann den DC-Schalter am Wechselrichter und bei einem Speicher dessen Schalter. Die Leitungen vom Dach bis zum Wechselrichter stehen aber bei Tageslicht weiter unter Spannung. Bei Brand, Rauch oder Wasser: Abstand halten und die Feuerwehr rufen.

Brandgeruch am Wechselrichter, Wasser im Keller, ein Sturmschaden auf dem Dach: Dann willst du die PV-Anlage schnell abschalten. Das geht, aber mit einer wichtigen Einschränkung. Die Module produzieren Strom, solange Licht auf sie fällt. Einen Schalter, der die ganze Anlage spannungsfrei macht, gibt es bei den meisten Anlagen nicht.

Das Wichtigste vorab

  • Deine Sicherheit geht vor. Bei Rauch, Feuer, Knistern oder Wasser am Gerät nicht hingehen. Raus aus dem Raum und die Feuerwehr unter 112 rufen.
  • Sag der Feuerwehr, dass eine PV-Anlage auf dem Dach ist, und wo Wechselrichter und Speicher hängen.
  • Nichts auf der DC-Seite anfassen. Die Leitungen vom Dach führen bei Tageslicht mehrere hundert Volt Gleichspannung.

Schritt für Schritt abschalten

Diese Reihenfolge gilt für die meisten Anlagen. Hat dein Installateur eine andere Reihenfolge vorgegeben oder hängt eine Anleitung am Gerät, halte dich an diese.

  1. AC-Seite trennen. Schalte im Zählerschrank den Leitungsschutzschalter des Wechselrichters aus. Er ist meist beschriftet, etwa mit „PV“ oder „Wechselrichter“. Der Wechselrichter hört sofort auf einzuspeisen. Weil dann kein Strom mehr fließt, lässt sich der DC-Schalter danach gefahrlos betätigen.
  2. DC-Seite trennen. Stelle den DC-Freischalter am Wechselrichter auf 0 oder OFF. Er ist meist ein großer Drehschalter unten oder seitlich am Gerät. Damit trennst du die Module vom Wechselrichter. Die Leitung vom Dach bis zu diesem Schalter bleibt aber unter Spannung.
  3. Speicher ausschalten. Hat die Anlage einen Batteriespeicher, schalte ihn am eigenen Schalter oder Sicherungsautomaten aus. Bei manchen Systemen gibt es einen zusätzlichen Schalter für den Ersatzstrom. Beides steht in der Anleitung.
  4. Kontrolle. Das Display des Wechselrichters erlischt nach einigen Sekunden bis Minuten. Einige LEDs können noch kurz leuchten, weil sich Kondensatoren entladen.
  5. Warten. Das Gehäuse erst nach mindestens fünf Minuten berühren und auch dann nicht öffnen.

Wenn du nicht sicher bist, welcher Schalter der richtige ist: Schalte im Zählerschrank im Zweifel den Hauptschalter aus. Das trennt das ganze Haus und damit auch den Wechselrichter vom Netz.

Warum die Anlage nicht ganz spannungsfrei wird

Ein Modul ist eine Stromquelle, die sich nicht ausschalten lässt. Schon bei Dämmerung liegt die volle Leerlaufspannung an. Mehrere Module in Reihe erreichen je nach Anlage 300 bis 1.000 Volt. Der DC-Freischalter am Wechselrichter trennt nur den Wechselrichter. Die Kabel vom Dach bis zum Schalter sind weiterhin aktiv.

Das ist der Grund, warum Arbeiten an der DC-Seite ausschließlich Fachkräften vorbehalten sind. Eine Ausnahme bilden Anlagen mit Modulabschaltung, Optimierern mit Sicherheitsfunktion oder einem Feuerwehrschalter nahe den Modulen. Sie reduzieren die Spannung in den Leitungen auf ungefährliche Werte. Ob deine Anlage so etwas hat, weiß dein Installateur.

Was in welchem Notfall gilt

  • Brandgeruch oder Rauch am Wechselrichter: AC-Sicherung aus, sofern der Zählerschrank gefahrlos erreichbar ist. Raum verlassen, Tür schließen, Feuerwehr rufen. Nicht mit Wasser löschen.
  • Feuer am Dach oder im Haus: Sofort raus, 112 rufen. Die Feuerwehr ist für PV-Anlagen geschult und hält Sicherheitsabstände ein. Ein Hinweisschild am Hausanschluss oder Zählerschrank hilft ihr.
  • Wasser im Keller oder Hochwasser: Nicht ins Wasser gehen, wenn Wechselrichter oder Speicher betroffen sein könnten. Hauptschalter nur betätigen, wenn du trocken hinkommst. Nach dem Wasser: nichts wieder einschalten, bevor eine Elektrofachkraft die Anlage geprüft hat.
  • Sturm- oder Hagelschaden: Abgerissene Kabel oder gebrochene Module nicht berühren, auch nicht bei Bewölkung. Anlage abschalten, Bereich absperren, Fotos machen und Installateur sowie Versicherung informieren.
  • Lichtbogenfehler im Display: Nicht quittieren, nicht neu starten. Mehr im Ratgeber zum Lichtbogenfehler.
  • Gewitter: Du musst die Anlage nicht vorsorglich abschalten. Ein Überspannungsschutz im Zählerschrank ist dafür die bessere Lösung.

Für Wartungen und Reparaturen

Für geplante Arbeiten gilt dieselbe Reihenfolge. Wer das Gehäuse öffnet oder an Leitungen arbeitet, muss eine Elektrofachkraft sein. Sie prüft außerdem mit einem Messgerät, ob wirklich keine Spannung mehr anliegt, und sichert die Schalter gegen Wiedereinschalten.

Für Dacharbeiten durch den Dachdecker oder Schornsteinfeger reicht das Abschalten nicht aus. Die Module bleiben aktiv. Sprich solche Arbeiten mit dem Installateur ab, damit niemand ein Kabel beschädigt oder einen Stecker unter Last zieht.

Wieder einschalten

Nach einem Notfall schaltest du die Anlage erst wieder ein, wenn die Ursache geklärt ist. Nach Brand, Wasser oder Sturm ist das Aufgabe einer Elektrofachkraft. Nach einer harmlosen Abschaltung geht es in umgekehrter Reihenfolge: Speicher, DC-Schalter, dann AC-Sicherung. Wie du danach prüfst, ob alles läuft, steht im Ratgeber zum Wechselrichter-Reset.

Tipp: Frag deinen Installateur bei der nächsten Gelegenheit, welche Schalter zu deiner Anlage gehören, und beschrifte sie. Häng eine kurze Anleitung mit der Reihenfolge neben den Zählerschrank. Im Notfall bist du dann nicht auf die Suche angewiesen.

Kurz zusammengefasst

Im Notfall erst die AC-Sicherung im Zählerschrank, dann den DC-Schalter am Wechselrichter, dann den Speicher ausschalten. Die Leitungen vom Dach bleiben bei Tageslicht unter Spannung und sind tabu. Bei Brand, Rauch oder Wasser gilt: Abstand halten, Feuerwehr rufen und auf die PV-Anlage hinweisen. Wieder eingeschaltet wird erst, wenn die Ursache geklärt ist.

Redaktion PV-Fehler · Stand: · Angaben ohne Gewähr.

Hilfreich? Seite teilen: