Notstrom vs. Ersatzstrom: Was dein Hybridwechselrichter kann

Kurz gesagt

Notstrom versorgt meist eine einzelne Steckdose oder einen Stromkreis bei Stromausfall, oft einphasig und mit begrenzter Leistung. Ersatzstrom versorgt das ganze Haus oder große Teile davon, meist dreiphasig und automatisch umgeschaltet. Beides funktioniert nur mit passendem Wechselrichter, einer Umschalteinrichtung und in der Regel einem Speicher. Ein normaler Wechselrichter liefert bei Stromausfall keinen Strom.

„Mit Notstromfunktion“ steht auf vielen Datenblättern von Hybridwechselrichtern. Doch was das im Ernstfall bedeutet, unterscheidet sich stark: Mal läuft nur der Kühlschrank an einer Steckdose, mal das ganze Haus inklusive Heizung. Hier erfährst du, was hinter den Begriffen steckt und was dein System leisten kann.

Warum eine normale PV-Anlage bei Stromausfall nichts liefert

Jeder netzgekoppelte Wechselrichter muss sich bei Netzausfall sofort vom Netz trennen. Das schützt Monteure, die an der Leitung arbeiten. Mehr dazu im Ratgeber Inselnetzerkennung. Damit das Haus trotzdem Strom bekommt, muss es zuerst sicher vom öffentlichen Netz getrennt werden, danach baut der Wechselrichter ein eigenes kleines Netz auf. Dafür braucht es spezielle Hardware.

Die Begriffe

Die Begriffe werden nicht einheitlich verwendet. Als grobe Orientierung gilt:

Notstrom (Notstromsteckdose). Eine separate Steckdose oder ein einzelner Stromkreis wird bei Netzausfall versorgt. Typisch einphasig, mit begrenzter Leistung. Beispiele sind SMA Secure Power Supply bei einigen Sunny-Boy-Modellen oder Fronius PV Point am GEN24. Laut Fronius-Anleitung versorgt PV Point einphasig Geräte bis maximal 3 kW, wenn genug Leistung von den Modulen oder einer Batterie da ist. Bei manchen Systemen funktioniert das sogar ohne Speicher, dann aber nur tagsüber und schwankend mit der Sonne.

Ersatzstrom (Full Backup). Das ganze Haus oder ausgewählte Stromkreise werden versorgt, oft dreiphasig. Eine Umschalteinrichtung trennt das Haus automatisch vom Netz, der Wechselrichter übernimmt. Fronius nennt das Full Backup und setzt laut Anleitung eine notstromfähige Batterie, einen Smart Meter am Einspeisepunkt und die richtige Verkabelung mit Umschalteinrichtung voraus. Andere Hersteller nennen es Backup, Ersatzstrom oder Inselbetrieb.

USV (unterbrechungsfreie Stromversorgung). Sie schaltet so schnell um, dass empfindliche Geräte wie Computer nicht ausgehen, meist in weniger als 20 Millisekunden. Viele Hybridwechselrichter schaffen das nicht. Rechne mit einer kurzen Unterbrechung von Sekundenbruchteilen bis zu einigen Sekunden, bei manuellen Lösungen länger.

Was du konkret prüfen solltest

  1. Kann der Wechselrichter es überhaupt? Steht im Datenblatt „Backup“, „Notstrom“ oder „Ersatzstrom“? Manche Geräte brauchen dafür eine Freischaltung oder Lizenz.
  2. Ist es installiert? Eine Funktion auf dem Datenblatt heißt nicht, dass sie verdrahtet ist. Ohne Umschalteinrichtung oder Notstromsteckdose passiert bei Stromausfall nichts.
  3. Einphasig oder dreiphasig? Einphasig reicht für Kühlschrank, Router, Licht und Heizungssteuerung. Wärmepumpe, Herd oder Wallbox brauchen meist drei Phasen und viel Leistung.
  4. Welche Leistung? Die Notstromleistung ist oft kleiner als die Nennleistung des Wechselrichters. Hohe Anlaufströme, etwa von Pumpen oder Kompressoren, können das System überlasten.
  5. Automatisch oder manuell? Automatisch schaltet ohne dein Zutun, manuell musst du im Zählerschrank einen Umschalter betätigen.
  6. Lädt die PV den Speicher im Inselbetrieb nach? Bei guten Systemen ja, dann hältst du auch mehrere Tage durch.

Speicherreserve

Damit bei einem Stromausfall überhaupt Energie da ist, lässt sich bei vielen Systemen eine Notstromreserve einstellen: Der Speicher wird im Normalbetrieb nicht unter einen bestimmten Ladestand entladen. Das kostet etwas Eigenverbrauch, sorgt aber für Reserve. Mehr zu Ladestand-Einstellungen im Ratgeber Speicher entlädt sich nachts nicht.

Nachrüsten

Eine Notstrom- oder Ersatzstromfunktion lässt sich oft nachrüsten, wenn Wechselrichter und Speicher dafür ausgelegt sind. Nötig sind meist:

  • eine Umschalteinrichtung im Zählerschrank, bei Fronius etwa ein Backup Controller,
  • Umverdrahtung der Stromkreise, die versorgt werden sollen,
  • Anpassung der Erdung, damit Schutzmaßnahmen auch im Inselbetrieb funktionieren,
  • Konfiguration und Test.

Das ist Arbeit für eine Elektrofachkraft. Der Aufwand hängt stark vom Zustand des Zählerschranks ab. Frag vorher, welche Stromkreise sinnvoll sind: Heizung, Kühlschrank, Licht und Internet sind oft wichtiger als das ganze Haus.

Testen

Ein Notstromsystem, das nie getestet wurde, ist ein Glücksspiel. Lass es bei der Installation testen und wiederhole den Test gelegentlich, indem der Elektriker den Netzausfall simuliert. Viele Wechselrichter haben dafür einen Testmodus.

Kurz zusammengefasst

Notstrom heißt meist eine Steckdose mit begrenzter Leistung, Ersatzstrom das ganze Haus mit automatischer Umschaltung. Beides braucht passende Hardware und Installation, meist auch einen Speicher mit Reserve. Prüfe, was bei dir tatsächlich verdrahtet ist, und lass das System testen.

Redaktion PV-Fehler · Stand: · Angaben ohne Gewähr.

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