Hersteller insolvent: Was tun mit dem Wechselrichter?

Kurz gesagt

Ist der Hersteller insolvent, verfällt die Herstellergarantie oft ganz oder teilweise, und Portal, Updates und Ersatzteile sind unsicher. Der Wechselrichter selbst läuft aber meist einfach weiter. Die gesetzliche Gewährleistung gegen deinen Installateur bleibt bestehen. Sichere jetzt Daten und Unterlagen, prüfe Garantieversicherungen und plane für den Fall eines Ausfalls einen Tausch gegen ein Gerät eines anderen Herstellers.

In der Solarbranche sind in den vergangenen Jahren immer wieder Hersteller vom Markt verschwunden, durch Insolvenz, Übernahme oder Rückzug aus Europa. Für Betreiber stellt sich dann die Frage: Was ist mit meiner Garantie? Und was, wenn das Gerät ausfällt? Hier erfährst du, welche Rechte du hast und was du tun kannst.

Was sich ändert und was nicht

Das Gerät läuft weiter. Ein Wechselrichter braucht den Hersteller nicht, um Strom umzuwandeln. Solange er funktioniert, merkst du von der Insolvenz im Alltag oft nichts.

Die Herstellergarantie ist gefährdet. Eine Garantie ist ein Versprechen des Herstellers. Geht er in die Insolvenz, wird sie meist nicht mehr erfüllt. Manchmal übernimmt ein Käufer die Marke und bietet weiter Service, manchmal eine Garantieversicherung, die der Hersteller abgeschlossen hatte. Das hängt vom Einzelfall ab.

Online-Dienste können wegfallen. Portal, App und Fernwartung laufen über Server des Herstellers. Werden sie abgeschaltet, fehlen Daten und Überwachung. Die Einspeisung ist davon meist nicht betroffen, es sei denn, eine Funktion wie die Speichersteuerung hängt an der Cloud.

Ersatzteile und Updates werden knapp. Neue Firmware, Ersatzteile und Austauschgeräte gibt es oft nicht mehr.

Deine Ansprüche

Gewährleistung gegenüber dem Installateur. Die gesetzliche Gewährleistung besteht gegenüber deinem Vertragspartner, nicht gegenüber dem Hersteller. In den ersten Jahren nach der Installation kannst du dich bei einem Mangel an den Installateur wenden. Wie lange sie läuft, hängt vom Vertrag ab. Siehe Garantiefall Wechselrichter.

Garantieversicherung. Manche Hersteller oder Installateure haben die Garantie über eine Versicherung abgesichert. Frag deinen Installateur und schau in deine Unterlagen nach einem Garantiezertifikat mit Versicherungsnummer.

Insolvenzverfahren. Garantieansprüche kannst du theoretisch beim Insolvenzverwalter anmelden. In der Praxis bringt das für Privatleute selten etwas, weil Forderungen nur mit einer kleinen Quote bedient werden.

Versicherung. Eine PV-Versicherung zahlt bei versicherten Ereignissen wie Überspannung oder Blitz, unabhängig vom Hersteller. Siehe PV-Versicherung.

Was du jetzt tun solltest

  1. Daten sichern: Erträge und Ereignisse aus dem Portal exportieren, solange es läuft.
  2. Einstellungen dokumentieren: Screenshots von Ländersatz, Einspeisebegrenzung, Blindleistung und Netzwerk.
  3. Unterlagen zusammenstellen: Rechnung, Datenblätter, Stringplan, Inbetriebnahmeprotokoll. Das braucht der Installateur später für einen Tausch.
  4. Lokale Überwachung einrichten: Viele Wechselrichter lassen sich lokal über Modbus oder die Weboberfläche auslesen. Das ersetzt ein wegfallendes Portal. Siehe Modbus und Wechselrichter.
  5. Ertrag beobachten: Ohne Portal fällt ein Ausfall nicht sofort auf. Schau regelmäßig auf den Einspeisezähler oder das Display.
  6. Rücklage bilden: Plane für den Fall eines Ausfalls einen Tausch ein.

Wenn das Gerät ausfällt

Ohne Hersteller ist eine Reparatur meist nur über unabhängige Reparaturbetriebe möglich. Für verbreitete Modelle gibt es manchmal Werkstätten, die Leistungsteile instand setzen. Bei seltenen Modellen ist ein Tausch gegen ein Gerät eines anderen Herstellers oft die bessere Wahl. Wie das geht, erklären die Ratgeber Wechselrichter tauschen und Neuer Wechselrichter für alte Anlage.

Besonders heikel sind Systeme mit proprietärem Speicher. Fällt der Wechselrichter aus, passt der Speicher oft nicht zu Geräten anderer Hersteller. Dann kann es nötig sein, Speicher und Wechselrichter gemeinsam zu ersetzen oder den Speicher AC-gekoppelt weiter zu betreiben.

Beim nächsten Kauf

  • Hersteller mit langer Marktpräsenz und europäischem Service bevorzugen.
  • Auf offene Schnittstellen wie Modbus oder SunSpec achten, damit die Anlage auch ohne Cloud auslesbar bleibt.
  • Nach Garantieversicherung fragen.
  • Unterlagen vollständig aufbewahren.

Kurz zusammengefasst

Eine Insolvenz des Herstellers legt deine Anlage nicht lahm, gefährdet aber Garantie, Portal und Ersatzteile. Sichere Daten und Unterlagen, prüfe Gewährleistung und Garantieversicherung, richte eine lokale Überwachung ein und plane für den Ausfall einen herstellerunabhängigen Tausch.

Redaktion PV-Fehler · Stand: · Angaben ohne Gewähr.

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