Abregelung durch den Netzbetreiber: So erkennst du sie
Kurz gesagt
Eine Abregelung durch den Netzbetreiber erkennst du an einer Leistungskurve, die mittags flach abgeschnitten ist, obwohl die Sonne scheint, oft mit einem Hinweis auf externe Leistungsvorgabe oder Steuersignal im Wechselrichter. Häufiger sind aber feste Einspeisegrenzen wie die 60-Prozent-Regel oder Abschaltungen wegen hoher Netzspannung. Das Ereignisprotokoll zeigt, was dahintersteckt.
Die Sonne brennt, trotzdem bleibt die Leistung der PV-Anlage mittags seltsam niedrig. Schnell fällt der Verdacht auf den Netzbetreiber. Tatsächlich dürfen Netzbetreiber Anlagen in bestimmten Fällen steuern. Oft steckt aber etwas anderes dahinter. Hier erfährst du, wie du die Ursachen auseinanderhältst.
Wann der Netzbetreiber abregeln darf
Netzbetreiber dürfen die Einspeisung reduzieren, wenn das Netz überlastet ist. Voraussetzung ist, dass die Anlage steuerbar ist. Das geschieht über einen Rundsteuerempfänger im Zählerschrank oder, bei neueren Anlagen, über ein intelligentes Messsystem (Smart Meter) mit Steuerbox. Der Steuerbefehl setzt die Einspeisung zum Beispiel auf 60 %, 30 % oder 0 % der Leistung.
Für kleine private Anlagen kommt das in der Praxis selten vor. Viel häufiger ist eine feste Begrenzung, die dauerhaft im Wechselrichter eingestellt ist.
Feste Einspeisegrenzen: 70 und 60 Prozent
- 70-Prozent-Regel: Viele ältere Anlagen bis 25 kWp wurden so eingestellt, dass sie höchstens 70 % der Modulleistung einspeisen. Seit dem 1. Januar 2023 gilt die Regel für Bestandsanlagen bis 7 kWp nicht mehr, ebenso wenig für Neuanlagen bis 25 kWp, die seit dem 14. September 2022 in Betrieb gingen. Bestandsanlagen zwischen 7 und 25 kWp ohne Smart Meter sind weiter betroffen. Wichtig: Die Einstellung im Wechselrichter bleibt aktiv, bis ein Installateur sie ändert.
- 60-Prozent-Regel: Neue Anlagen, die seit dem 25. Februar 2025 in Betrieb gehen, dürfen nach dem sogenannten Solarspitzengesetz nur 60 % ihrer Leistung einspeisen, solange kein Smart Meter mit Steuerbox eingebaut ist. Das betrifft Anlagen bis 100 kWp mit Einspeisevergütung, Balkonkraftwerke sind ausgenommen. Im Haus verbraucht werden darf der Strom aber vollständig.
Eine feste Grenze erkennst du daran, dass die Einspeisung an sonnigen Tagen jeden Mittag auf dem gleichen Wert stehen bleibt. Mit Speicher oder hohem Eigenverbrauch fällt sie weniger auf, weil der Überschuss im Haus bleibt.
Andere Ursachen, die wie Abregelung aussehen
Hohe Netzspannung. In Straßen mit vielen PV-Anlagen steigt die Spannung mittags. Der Wechselrichter reduziert dann erst die Leistung und schaltet bei Überschreiten der Grenze ab. Typisch ist eine zackige Kurve mit Einbrüchen statt einer sauberen Kappe. Siehe Netzüberspannung am Wechselrichter.
Temperatur-Derating. Wird der Wechselrichter zu warm, drosselt er sich selbst. Das passiert oft im Hochsommer am frühen Nachmittag, wenn er in praller Sonne oder einem heißen Dachboden hängt. Mehr im Ratgeber Leistung wird begrenzt (Derating).
Clipping. Sind die Module größer ausgelegt als der Wechselrichter, kann er an sehr guten Tagen nicht mehr als seine Nennleistung liefern. Die Kurve ist dann bei der Nennleistung des Wechselrichters abgeschnitten, also an einem anderen Wert als bei einer Prozentgrenze.
Verschattung und Wetter. Ein Baum, ein Kamin oder dünne Schleierwolken drücken die Leistung ebenfalls, aber nicht an einer scharfen Linie.
So prüfst du es selbst
- Leistungskurve ansehen. Im Portal oder in der App die Tageskurve eines klaren Sonnentages öffnen. Flache, gerade Linie mittags? Dann liegt eine Begrenzung vor.
- Wert vergleichen. Liegt die Linie bei 60 % oder 70 % der Modulleistung (kWp), ist es eine Einspeisegrenze. Liegt sie bei der Nennleistung des Wechselrichters, ist es Clipping.
- Einspeisung oder Erzeugung? Manche Anlagen begrenzen nur die Einspeisung am Netzanschlusspunkt. Die Erzeugung ist dann höher, wenn im Haus viel verbraucht wird. Das geht nur mit Energiezähler.
- Ereignisprotokoll lesen. Viele Wechselrichter melden eine externe Leistungsvorgabe oder den Empfang eines Steuersignals. Meldungen zu Netzspannung oder Temperatur deuten auf die anderen Ursachen hin. Wie du das Protokoll findest, steht im Ratgeber Fehlerspeicher auslesen.
- Zählerschrank ansehen. Ist ein Rundsteuerempfänger oder eine Steuerbox verbaut? Dann ist eine externe Steuerung technisch möglich.
Was du tun kannst
- Einstellung prüfen lassen: Ist bei einer älteren Anlage noch die 70-%-Grenze aktiv, kann der Installateur sie aufheben, sofern das zulässig ist. Das bringt vor allem an Spitzentagen Mehrertrag.
- Smart Meter: Bei neuen Anlagen fällt die 60-%-Grenze weg, sobald ein intelligentes Messsystem mit Steuerbox eingebaut ist. Den Einbau veranlasst der Messstellenbetreiber.
- Eigenverbrauch erhöhen: Wer mittags wäscht, das E-Auto lädt oder einen Speicher hat, verliert durch eine Einspeisegrenze deutlich weniger Strom.
- Bei Überspannung: Die Spannung am Hausanschluss kann nur der Netzbetreiber dauerhaft senken. Dokumentiere Uhrzeiten und Meldungen, bevor du dich meldest.
Die Einspeiseeinstellungen selbst zu ändern, ist keine gute Idee. Sie sind Teil der Anmeldung beim Netzbetreiber und oft durch ein Installateur-Passwort geschützt.
Kurz zusammengefasst
Echte Abregelung per Steuersignal ist bei kleinen Anlagen selten. Häufiger sind feste 60- oder 70-%-Grenzen, Netzüberspannung oder Hitze. Die Tageskurve eines Sonnentages und das Ereignisprotokoll verraten, welche Ursache es ist.
Redaktion PV-Fehler · Stand: · Angaben ohne Gewähr.