Wechselrichter-Leistung wird begrenzt (Derating): Gründe
Kurz gesagt
Derating heißt, dass der Wechselrichter seine Leistung absichtlich zurücknimmt, meist wegen Hitze, hoher Netzspannung oder einer Einspeisebegrenzung. Das ist eine Schutzfunktion und kein Defekt. Häufiges Derating kostet aber Ertrag: Dann sollten Belüftung, Montageort und Einstellungen geprüft werden.
Die Sonne knallt, die Module müssten Höchstleistung bringen, doch die Ertragskurve in der App ist mittags platt abgeschnitten oder bricht zackig ein. Im Protokoll steht vielleicht „Derating“, „Leistungsreduzierung“ oder bei Fronius der Statuscode 517. Der Wechselrichter drosselt sich selbst. Das ist gewollt, kann aber viel Ertrag kosten, wenn es zu oft passiert.
Was Derating bedeutet
Derating ist die kontrollierte Reduzierung der Ausgangsleistung. Der Wechselrichter schaltet dabei nicht ab, er speist nur weniger ein, als die Module liefern könnten. Das schützt die Elektronik vor Überlastung und hält die Vorgaben des Netzbetreibers ein. Sobald die Ursache weg ist, fährt er von selbst wieder hoch.
In der Ertragskurve erkennst du Derating an typischen Mustern:
- Flaches Plateau über Mittag: Leistungsbegrenzung durch Einspeisegrenze oder zu kleinen Wechselrichter (Clipping).
- Langsam abfallende Kurve am frühen Nachmittag, obwohl die Sonne scheint: Temperatur-Derating.
- Zackige Einbrüche bei hoher Leistung: Spannungsbedingte Reduzierung, oft kurz vor einer Netzüberspannungs-Abschaltung.
Die häufigsten Ursachen
Hitze
Die Leistungselektronik darf nur bis zu einer bestimmten Temperatur voll arbeiten. Viele Geräte liefern bis etwa 40 bis 45 °C Umgebungstemperatur volle Leistung und regeln darüber ab. Typische Auslöser sind ein Montageort in praller Sonne, ein heißer Dachboden, zu wenig Abstand zu Wand oder Decke, zugestaubte Kühlrippen oder ein ausgefallener Lüfter. Mehr dazu im Ratgeber Wechselrichter wird heiß.
Hohe Netzspannung
Steigt die Spannung am Einspeisepunkt, etwa in Straßen mit vielen PV-Anlagen, drosseln Wechselrichter ihre Leistung oder beziehen Blindleistung, um die Spannung zu senken. Das wirkt ebenfalls wie Derating. Reicht das nicht, schaltet das Gerät ab und meldet Netzüberspannung. Wie das zusammenhängt, steht im Ratgeber Netzüberspannung am Wechselrichter.
Einspeisebegrenzung
Bei manchen Anlagen ist die Einspeisung ins Netz begrenzt, etwa durch die frühere 70-Prozent-Regel, eine Nulleinspeisung oder Vorgaben des Netzbetreibers. Der Wechselrichter regelt dann auf den erlaubten Wert herunter, sobald der Hausverbrauch nicht reicht. Das ist kein Fehler, sondern eine Einstellung.
Überfrequenz im Netz
Steigt die Netzfrequenz über 50,2 Hz, reduzieren Wechselrichter nach VDE-AR-N 4105 automatisch ihre Leistung. Das kommt selten vor und dauert nur kurz.
Hohe DC-Spannung oder Überdimensionierung
Ist die Modulleistung deutlich größer als die Wechselrichterleistung, begrenzt das Gerät an sonnigen Tagen auf seine Nennleistung. Das ist bei einem Verhältnis von etwa 1,1 bis 1,3 üblich und wirtschaftlich sinnvoll. Die Verluste sind gering.
Was du selbst prüfen kannst
- Ertragskurve eines sonnigen Tages ansehen. Welches Muster passt: Plateau, Abfall oder Zacken?
- Uhrzeit und Temperatur vergleichen. Tritt die Drosselung nur an heißen Nachmittagen auf, ist fast immer Hitze schuld.
- Gerätetemperatur ablesen. Viele Wechselrichter zeigen die Innentemperatur in der App oder im Servicemenü.
- Montageort ansehen. Steht das Gerät in der Sonne, in einer engen Nische oder direkt unter dem Dach? Sind die Kühlrippen verstaubt? Bei häufigem Temperatur-Derating hilft es oft, Lüftungsschlitze und Kühlkörper bei ausgeschaltetem Gerät vorsichtig zu reinigen. Wie das bei deinem Modell geht, steht in der Bedienungsanleitung.
- Netzspannung ablesen. Liegt sie bei hoher Einspeisung regelmäßig über 250 V, ist eher das Netz der Grund.
- Nach der Einspeisebegrenzung fragen. Dein Installateur weiß, ob eine Begrenzung eingestellt ist und warum.
Was sich dagegen tun lässt
- Hitze: Sonnenschutz über dem Gerät, Umsetzen an einen kühleren Ort, Lüfter reinigen oder tauschen lassen. Oft bringen schon ein paar Zentimeter mehr Abstand spürbar etwas.
- Netzspannung: Messung durch den Elektriker, bei dauerhaft hohen Werten Meldung an den Netzbetreiber. Manchmal hilft ein größerer Leitungsquerschnitt zwischen Wechselrichter und Zähler.
- Einspeisebegrenzung: Eigenverbrauch erhöhen, zum Beispiel mit Speicher, Wärmepumpe oder E-Auto-Ladung zur Mittagszeit. Ob eine alte 70-Prozent-Begrenzung entfallen kann, klärt der Installateur mit dem Netzbetreiber.
- Überdimensionierung: Meist nichts, die Verluste sind klein. Bei deutlicher Überbelegung prüft der Installateur, ob das Gerät noch innerhalb der Herstellervorgaben arbeitet.
Wann es ein Fall für den Fachbetrieb ist
Derating an wenigen heißen Tagen im Jahr ist normal. Hol dir Hilfe, wenn
- die Leistung auch an kühlen Tagen deutlich begrenzt wird,
- der Lüfter nicht mehr läuft oder ungewöhnlich laut ist,
- das Gerät nach dem Derating abschaltet und Übertemperatur meldet,
- du nicht erkennen kannst, woher die Begrenzung kommt.
Kommt die gleiche Meldung immer wieder, lohnt der Blick in den Ratgeber Fehlercode kommt immer wieder.
Kurz zusammengefasst
Derating ist eine Schutzfunktion: Der Wechselrichter nimmt Leistung zurück, statt abzuschalten. Die häufigsten Gründe sind Hitze, hohe Netzspannung und Einspeisebegrenzungen. An der Form der Ertragskurve erkennst du meist schon, welche Ursache dahintersteckt. Tritt die Drosselung oft auf, bringen Belüftung, Montageort und eine Spannungsmessung meist mehr Ertrag zurück.
Redaktion PV-Fehler · Stand: · Angaben ohne Gewähr.