Neuer Wechselrichter für alte Anlage: Kompatibilität prüfen

Kurz gesagt

Ein neuer Wechselrichter muss zu den vorhandenen Strings passen: Die Leerlaufspannung bei Kälte darf seine maximale Eingangsspannung nicht überschreiten, die MPP-Spannung muss im Arbeitsbereich liegen und der Stringstrom unter dem zulässigen Eingangsstrom. Dazu kommen Anzahl der MPP-Tracker, passende DC-Stecker, Netzanschluss und Überwachung. Die Auslegung macht der Installateur mit den Moduldaten.

Die Module auf dem Dach sind 15 Jahre alt und laufen noch gut, nur der Wechselrichter ist am Ende. Ein neues Gerät gleicher Leistung kaufen und anschließen, fertig? Ganz so einfach ist es nicht. Hier erfährst du, welche Punkte bei der Kompatibilität zählen, damit der neue Wechselrichter zur alten Anlage passt.

Die Grundlage: Moduldaten und Stringplan

Für die Auslegung braucht der Installateur:

  • Moduldatenblatt: Leerlaufspannung (Uoc), Spannung im Punkt maximaler Leistung (Umpp), Kurzschlussstrom (Isc), Strom im MPP (Impp) und Temperaturkoeffizienten,
  • Stringplan: wie viele Module pro String, wie viele Strings, welche Dachflächen,
  • Messwerte: aktuelle Leerlaufspannungen und Ströme der Strings.

Fehlen die Datenblätter, helfen das Typenschild auf der Modulrückseite oder Messungen. Deshalb lohnt es sich, Anlagenunterlagen gut aufzubewahren.

Die wichtigsten Prüfpunkte

1. Maximale Eingangsspannung. Die Leerlaufspannung eines Strings steigt bei Kälte. An einem klaren Wintermorgen mit Frost liegt sie deutlich über dem Wert bei 25 °C. Diese kalte Leerlaufspannung darf die maximale DC-Eingangsspannung des Wechselrichters niemals überschreiten, sonst droht ein Defekt. Mehr dazu im Ratgeber String-Spannung zu hoch.

2. MPP-Spannungsbereich. Die Betriebsspannung der Strings muss im Arbeitsbereich des MPP-Trackers liegen, bei Hitze im Sommer und bei Kälte im Winter. Liegt sie im Sommer darunter, startet der Wechselrichter spät oder erreicht nicht die volle Leistung. Siehe String-Spannung zu niedrig.

3. Eingangsstrom. Moderne Module liefern oft höhere Ströme als alte. Bei alten Modulen ist das selten ein Problem, bei einer späteren Erweiterung mit neuen Modulen schon. Der Kurzschlussstrom darf den zulässigen Wert pro Eingang nicht überschreiten.

4. Anzahl der MPP-Tracker. Haben die alten Strings unterschiedliche Ausrichtung oder Länge, braucht jeder seinen eigenen Tracker. Ein neuer Wechselrichter mit weniger Trackern kann Ertrag kosten.

5. Leistungsverhältnis. Das Verhältnis von Modul- zu Wechselrichterleistung sollte sinnvoll sein. Alte Module haben durch Degradation etwas weniger Leistung als auf dem Datenblatt. Ein etwas kleinerer Wechselrichter kann deshalb passen. Zu klein führt zu Clipping, siehe Clipping am Wechselrichter.

6. Isolationsüberwachung und Erdung. Einige alte Anlagen haben Module, die eine Erdung eines Pols verlangen, etwa bestimmte Dünnschichtmodule. Die meisten modernen trafolosen Wechselrichter erlauben das nicht. Hier ist besondere Sorgfalt nötig.

7. DC-Stecker. Stecker verschiedener Hersteller dürfen nicht gemischt werden, auch wenn sie ähnlich aussehen. Beim Tausch müssen deshalb oft Stecker an den Stringkabeln gewechselt werden. Siehe MC4-Stecker defekt.

8. Netzanschluss. Ein- oder dreiphasig? Die Schieflastgrenze von 4,6 kVA nach VDE-AR-N 4105 muss eingehalten werden. Leitungsquerschnitt und Absicherung müssen zum neuen Gerät passen.

9. Überwachung und Zähler. Alte Datenlogger, Zähler und Portale funktionieren mit neuen Geräten oft nicht mehr. Frag, was ersetzt werden muss.

Typische Fehler beim Tausch

  • Ein Wechselrichter mit gleicher Nennleistung, aber niedrigerer maximaler Eingangsspannung: im Winter drohen Abschaltungen oder Schäden.
  • Zwei unterschiedliche Dachflächen an einem Tracker: dauerhaft weniger Ertrag.
  • Stecker nicht getauscht: Übergangswiderstände, Wärme, im schlimmsten Fall Lichtbogen.
  • Erdungskonzept vergessen: Isolationsfehler oder Schäden an Dünnschichtmodulen.

Gleich mitdenken

  • Speicher: Ein Hybridwechselrichter eröffnet die Option, später einen Speicher DC-seitig anzuschließen. Siehe Batteriespeicher nachrüsten.
  • Modulzustand: Vor dem Tausch die Strings messen lassen. Ein neues Gerät hilft nichts, wenn ein Modul defekt ist. Siehe Modul defekt?.
  • Erweiterung: Wer neue Module ergänzen möchte, braucht eine eigene Planung und Anmeldung.

Kurz zusammengefasst

Kalte Leerlaufspannung unter der maximalen Eingangsspannung, MPP-Spannung im Arbeitsbereich, Ströme im zulässigen Rahmen, genug MPP-Tracker, passende Stecker und Netzanschluss: Das sind die Kernpunkte. Mit Moduldatenblatt, Stringplan und Messwerten legt der Installateur den neuen Wechselrichter sicher aus. Mehr zum Ablauf im Ratgeber Wechselrichter tauschen.

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