Marderschaden an der PV-Anlage: Erkennen und vorbeugen
Kurz gesagt
Marder beißen gern in die Kabel unter den Solarmodulen. Die Folgen reichen von Isolationsfehlern bei Regen bis zu Lichtbögen und Brandgefahr. Warnzeichen sind Isolationsmeldungen, ausfallende Strings und Kotspuren oder Nester auf dem Dachboden. Kabel verlegt ein Fachbetrieb am besten geschützt in Kanälen oder Metallschutzschläuchen, und eine PV-Versicherung mit Tierbiss deckt den Schaden meist ab.
Marder fühlen sich unter Solarmodulen wohl: geschützt, trocken, im Sommer schattig und im Winter warm. Dort finden sie auch Kabel, und die beißen sie an. Beim Auto ist das Problem bekannt, bei PV-Anlagen unterschätzen es viele. Hier erfährst du, wie du einen Marderschaden erkennst, warum er gefährlich ist und wie du vorbeugst.
Warum Marder an Solarkabel gehen
Marder beißen nicht, weil ihnen Kabel schmecken. Sie erkunden ihr Revier mit dem Maul, besonders Jungtiere im Frühjahr und Sommer. Riecht ein Revier nach einem fremden Marder, reagieren die Tiere aggressiv und beißen verstärkt zu. Unter den Modulen hängen die Solarkabel oft lose zwischen Schienen und Dachhaken. Dazu kommen die gut erreichbaren Stecker. Auch Kabeldurchführungen in den Dachboden sind ein beliebter Weg.
Warum Marderbiss gefährlich ist
Solarkabel führen Gleichstrom mit mehreren hundert Volt. Ist die Isolierung beschädigt, kann es zu diesen Folgen kommen:
- Isolationsfehler: Der Wechselrichter misst vor dem Start den Widerstand gegen Erde und startet bei zu niedrigen Werten nicht. Oft passiert das zuerst nur bei Regen oder Tau. Siehe Isolationsfehler an der PV-Anlage.
- Erdschluss: Hat der blanke Leiter Kontakt zu Schiene oder Blech, entsteht ein dauerhafter Fehler.
- Lichtbogen: Ist ein Leiter halb durchgebissen, kann an der Stelle ein Lichtbogen entstehen, der Temperaturen von mehreren tausend Grad erreicht. Das ist eine echte Brandgefahr, und Gleichstromlichtbögen erlöschen nicht von selbst. Mehr im Ratgeber Lichtbogenfehler (AFCI).
- Ertragsausfall: Ein komplett durchtrennter Leiter legt den ganzen String lahm.
Woran du einen Marderschaden erkennst
Im Wechselrichter oder in der App:
- Isolationsfehler oder Erdschlussmeldungen, besonders nach Regen oder am Morgen,
- ein String liefert deutlich weniger oder gar keine Leistung,
- Lichtbogen-Meldungen (AFCI), falls dein Gerät das erkennt.
Am und im Haus:
- Kotspuren, Beutereste, Fellreste oder Nistmaterial auf dem Dachboden oder in der Dachrinne,
- nächtliches Poltern oder Kratzen unter dem Dach,
- verschobene oder angenagte Dämmung,
- Kabelstücke oder Isolierungsreste in der Dachrinne oder auf dem Boden.
Vom Boden aus mit einem Fernglas kannst du manchmal herabhängende oder angefressene Kabel am Modulrand erkennen. Nicht selbst aufs Dach steigen, und angebissene Kabel nicht anfassen: Bei Tageslicht liegt dort Spannung an, die sich nicht abschalten lässt.
Was du bei Verdacht tun solltest
- Meldung dokumentieren. Fehlercode, Datum und Wetter notieren, Fotos von Spuren machen.
- Fachbetrieb rufen. Er schaltet die Anlage frei, misst die Strings und findet die Schadstelle. Wie das abläuft, steht im Ratgeber Erdschluss in der PV-Anlage finden.
- Bei Brandgeruch oder Rauch die Anlage im Zählerschrank abschalten, Abstand halten und die Feuerwehr rufen. Siehe PV-Anlage sicher abschalten.
- Versicherung informieren. Möglichst früh, bevor repariert wird, damit ein Gutachter den Schaden noch sehen kann.
Wer zahlt?
Die normale Wohngebäudeversicherung deckt Marderbiss meist nicht oder nur mit einer Zusatzvereinbarung. Spezielle Photovoltaik-Versicherungen, oft als Allgefahren- oder Elektronikversicherung angeboten, schließen Tierbiss dagegen häufig ein. Gute Tarife zahlen auch Suche, Gerüst und Folgeschäden. Ob der Ertragsausfall versichert ist, hängt vom Vertrag ab. Mehr dazu im Ratgeber PV-Versicherung.
So beugst du vor
- Kabel geschützt verlegen: Kabel gehören nicht lose unter die Module. Kabelkanäle, Metallschutzschläuche oder Wellrohre an den Schienen machen den Zugang schwer. Das ist die wirksamste Maßnahme, und sie gehört in die Hände des Installateurs.
- Zugang zum Modulfeld versperren: Lochbleche oder Gitter am Rand des Modulfelds, sogenannte Marder- oder Taubenschutzgitter, halten Tiere draußen.
- Dachboden sichern: Einstiegslöcher an Traufe und Ortgang verschließen, Kletterhilfen wie Äste oder Rankgitter entfernen.
- Geruch neutralisieren: Nach einem Befall Nistmaterial entfernen lassen, damit der Geruch keine Rivalen anlockt.
- Abschreckung: Ultraschallgeräte oder Duftstoffe wirken nur begrenzt und oft nicht dauerhaft. Sie ersetzen keinen mechanischen Schutz.
Achtung: Marder dürfen in Deutschland nur mit Jagderlaubnis gefangen oder getötet werden und haben Schonzeiten. Beim Vertreiben helfen Fachbetriebe oder ein Jäger.
Kurz zusammengefasst
Marderbiss an PV-Kabeln ist mehr als ein Ertragsproblem, er kann zu Isolationsfehlern und Lichtbögen führen. Achte auf Isolationsmeldungen und Spuren unter dem Dach, lass Schäden vom Fachbetrieb suchen und reparieren und die Kabel geschützt verlegen. Eine PV-Versicherung mit Tierbiss übernimmt die Kosten meist.
Redaktion PV-Fehler · Stand: · Angaben ohne Gewähr.