Erdschluss in der PV-Anlage finden: So geht der Fachbetrieb vor

Kurz gesagt

Bei einem Erdschluss hat ein Leiter der Gleichstromseite Kontakt zur Erde. Der Fachbetrieb trennt die Strings, misst jeden einzeln gegen Erde und halbiert den betroffenen String so lange, bis Modul, Kabel oder Stecker gefunden sind. Selbst suchen solltest du nicht: Auf der DC-Seite liegen bei Licht mehrere hundert Volt an.

Meldet der Wechselrichter einen Erdschluss oder einen dauerhaften Isolationsfehler, ist klar: Irgendwo zwischen Modul und Wechselrichter hat ein Leiter Kontakt zu Erde. Auf dem Dach liegen aber oft 20 bis 40 Module mit Dutzenden Steckern und vielen Metern Kabel. Wie findet man da die eine Stelle? Hier erfährst du, wie ein Fachbetrieb vorgeht, damit du den Termin einschätzen und vorbereiten kannst.

Erdschluss oder Isolationsfehler?

Die Begriffe werden oft gleich verwendet. Genau genommen ist ein Isolationsfehler ein zu niedriger Widerstand gegen Erde, der Erdschluss die niederohmige, oft direkte Verbindung. Für die Suche macht das wenig Unterschied: Ein satter Erdschluss ist sogar leichter zu finden, weil er dauerhaft ansteht. Schwieriger sind Fehler, die nur bei Nässe auftreten, wie im Ratgeber Isolationsfehler bei Regen oder Tau beschrieben.

Schritt 1: Vorgeschichte und Daten

Ein guter Installateur fragt zuerst: Seit wann tritt der Fehler auf? Immer oder nur bei Feuchtigkeit? Gab es Dacharbeiten, Sturm, Marderspuren? Er sieht sich das Ereignisprotokoll und, wenn verfügbar, den Verlauf des Isolationswiderstands an. Manche Wechselrichter melden außerdem, an welchem Eingang der Fehler auftritt. Das halbiert die Suche oft schon vor dem ersten Handgriff.

Hilfreich ist, wenn du die Anlagendokumentation mit dem Stringplan bereithältst. Daraus geht hervor, welche Module zu welchem String gehören und wo die Kabel verlaufen.

Schritt 2: Anlage freischalten

Bevor gemessen wird, schaltet die Fachkraft AC- und DC-Seite frei. Die DC-Strings werden am Wechselrichter oder im Generatoranschlusskasten getrennt, und zwar nur im lastfreien Zustand. Mit einem Zangenamperemeter prüft sie vorher, dass kein Strom mehr fließt. Das ist wichtig: Wird ein DC-Stecker unter Last gezogen, entsteht ein Lichtbogen.

Schritt 3: Isolationsmessung pro String

Jetzt misst die Fachkraft jeden String einzeln mit einem Isolationsmessgerät, nach DIN EN 62446-1 typischerweise mit 500 oder 1000 V Prüfspannung. Gemessen wird der Plus- und der Minusleiter jeweils gegen Erde. Intakte Strings zeigen Werte im Megaohm-Bereich, der fehlerhafte String fällt durch einen deutlich niedrigeren Wert auf.

Ein Trick der Profis: Aus dem Verhältnis der Leerlaufspannungen von Plus und Minus gegen Erde lässt sich abschätzen, an welcher Position im String der Fehler liegt. Liegt der Minusleiter etwa bei einem Viertel der Stringspannung gegen Erde, sitzt der Fehler ungefähr beim Modul an Position ein Viertel. Das spart bei langen Strings viel Zeit.

Schritt 4: String halbieren

Ist der String gefunden, trennt die Fachkraft ihn in der Mitte auf und misst beide Hälften. Die fehlerhafte Hälfte wird wieder halbiert, und so weiter. Nach vier bis fünf Messungen ist die Fehlerstelle auf ein Modul oder eine Steckverbindung eingegrenzt. Dafür muss jemand aufs Dach, also braucht es sichere Zugänglichkeit, Absturzsicherung und manchmal ein Gerüst.

Schritt 5: Sichtprüfung und Hilfsmittel

An der eingegrenzten Stelle folgt die Sichtprüfung. Typische Funde sind:

  • durchgescheuerte Kabel an Dachhaken oder Blechkanten,
  • Marderbisse,
  • korrodierte oder nicht eingerastete Stecker,
  • verbrannte Anschlussdosen,
  • Risse in der Modulrückseite oder Glasbruch.

Zusätzlich kann eine Wärmebildkamera helfen, weil Fehlerstellen unter Last oft warm werden. Für schwer zugängliche Kabelwege gibt es Ortungsgeräte, die ein Signal auf den Leiter geben und den Verlauf verfolgen.

Schritt 6: Reparatur und Abschlussmessung

Nach dem Tausch von Stecker, Kabelstück oder Modul misst die Fachkraft den String erneut und dokumentiert die Werte. Frag nach diesem Messprotokoll. Es ist dein Nachweis für Garantie, Versicherung und spätere Fehlersuchen.

Was die Suche ungefähr kostet

Die Kosten hängen vor allem an Zugänglichkeit und Zeit:

  • Fehler steht dauerhaft an, Dach gut zugänglich: oft ein bis drei Stunden Arbeit plus Anfahrt.
  • Fehler nur bei Nässe: eventuell zwei Termine, weil beim ersten nichts zu messen war.
  • Steildach, hohe Traufe: Gerüst oder Hubsteiger kommen dazu und sind oft der größte Posten.

Materialkosten sind meist gering, außer ein Modul muss getauscht werden. Dann kann es schwierig werden, ein passendes Modul mit gleicher Leistung und Bauform zu finden. Ist Marderbiss, Sturm oder Blitz die Ursache, lohnt ein Blick in die Versicherung.

Warum du nicht selbst suchen solltest

Ein Isolationsmessgerät ist schnell gekauft, doch der Einsatz an einer PV-Anlage ist Fachkräften vorbehalten. Die Module liefern bei Licht Spannung, die sich nicht abschalten lässt. Wer Stecker unter Last trennt oder einen Erdschluss berührt, riskiert Stromschlag und Lichtbogen, auf dem Dach zusätzlich einen Absturz. Was du tun kannst: beobachten, dokumentieren und den Termin gut vorbereiten. Mehr dazu im Ratgeber PV-Anlage sicher abschalten.

Kurz zusammengefasst

Einen Erdschluss findet der Fachbetrieb systematisch: Daten auswerten, freischalten, jeden String gegen Erde messen, den fehlerhaften String halbieren und die Stelle per Sichtprüfung bestätigen. Mit Stringplan, Fehlerprotokoll und gut zugänglichem Dach geht das schneller und günstiger.

Redaktion PV-Fehler · Stand: · Angaben ohne Gewähr.

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