Growatt MIN 2500-6000TL-XH (1-phase, battery-ready) Fehler Error 300: AC-Spannung außerhalb des Bereichs
Kurzantwort
Error 300 bedeutet beim Growatt MIN TL-XH, dass die gemessene Netzspannung außerhalb des erlaubten Bereichs liegt und der Wechselrichter deshalb nicht einspeist. Meist ist die Spannung im Ortsnetz an sonnigen Mittagen zu hoch oder die AC-Zuleitung zu lang bzw. zu dünn. Einzelne Meldungen sind unkritisch, bei häufigen Abschaltungen sollten Installateur und Netzbetreiber messen.
Ursachen (nach Häufigkeit)
- Netzspannung im Ortsnetz zu hoch (häufig)
- Zu lange oder zu dünne AC-Zuleitung (gelegentlich)
- Lose AC-Klemme oder unpassende Netzeinstellung (selten)
Der MIN TL-XH überwacht ständig die Spannung an seinem AC-Anschluss. Die Normen schreiben vor, dass ein Wechselrichter sich trennt, wenn die Netzspannung zu hoch oder zu niedrig ist. Genau das meldet Error 300. Growatt empfiehlt: DC-Schalter ausschalten, die AC-Verkabelung mit Blick auf Neutralleiter und Schutzleiter prüfen und kontrollieren, ob die Netzspannung zur örtlichen Netznorm passt. Bleibt der Fehler, ist der Growatt-Service der nächste Ansprechpartner.
Wichtig: Error 300 ist fast immer ein Netzthema, kein Defekt am Wechselrichter. Das Gerät tut genau, was es tun soll.
- Spannung im Ortsnetz zu hoch (häufig): An sonnigen Tagen speisen viele Anlagen gleichzeitig ein. Dadurch steigt die Spannung im Niederspannungsnetz, besonders in ländlichen Straßen mit langen Leitungen. Typisches Zeichen: Die Abschaltungen häufen sich zwischen elf und vierzehn Uhr an klaren Tagen, morgens und abends läuft alles normal.
- Zuleitung zu lang oder zu dünn (gelegentlich): Speist der Wechselrichter ein, fällt auf der Leitung zum Zählerschrank Spannung ab – aber in umgekehrter Richtung. Am Gerät misst er dann mehr als am Hausanschluss. Ist der Querschnitt knapp gewählt, reicht das, um die Grenze zu reißen.
- Lose Klemme oder falsche Netzeinstellung (selten): Eine schlecht angezogene Klemme im AC-Stecker oder Verteiler erzeugt einen Übergangswiderstand. Auch ein Länderprofil, das nicht zum Anschlussort passt, führt zu unpassenden Grenzwerten.
300 oder 304? Error 300 betrifft die Höhe der Spannung, Error 304 die Frequenz. Frequenzprobleme sind in Deutschland selten und meist nur kurz. Spannungsprobleme dagegen kehren oft täglich zur gleichen Uhrzeit wieder.
Was du selbst prüfen kannst
- Muster in der App ansehen. In der ShinePhone-App oder im ShineServer-Portal siehst du, wann die Einspeisung abbricht. Häufen sich die Lücken um die Mittagszeit an sonnigen Tagen, spricht das klar für zu hohe Netzspannung.
- Spannung ablesen. Viele Growatt-Geräte zeigen die aktuelle Netzspannung im Display oder in der App. Notiere den Wert kurz vor und nach einer Abschaltung.
- Im Haus umhören. Flackern Lampen, schalten andere Geräte ab, oder haben Nachbarn mit PV-Anlage dasselbe Problem? Dann liegt die Ursache fast sicher im Ortsnetz.
- Zählerschrank ansehen. Ist der Leitungsschutzschalter der PV-Anlage eingeschaltet und sitzt er fest? Riecht oder sieht etwas verschmort aus? Nicht öffnen, nur hinsehen.
- Einmal neu starten. AC-Sicherung aus, DC-Schalter am Gerät auf AUS, fünf Minuten warten, in umgekehrter Reihenfolge wieder einschalten. Das hilft bei einer kurzen Netzstörung, nicht bei dauerhaft hoher Spannung.
Nicht selbst öffnen. Klemmen im Zählerschrank oder im AC-Stecker gehören in die Hände einer Elektrofachkraft.
Wann der Fachmann ran muss
Tritt Error 300 nur ab und zu auf, musst du nichts tun. Kommt er an sonnigen Tagen regelmäßig, beauftrage deinen Installateur mit einer Messung. Er vergleicht die Spannung am Hausanschluss mit der am Wechselrichter.
Ist schon am Hausanschluss die Spannung zu hoch, liegt das Problem beim Netzbetreiber. Der Installateur kann dort eine Netzspannungsmessung anstoßen, oder du meldest dich selbst mit deinen Aufzeichnungen. Netzbetreiber sind verpflichtet, die Spannung innerhalb der Normgrenzen zu halten. Manchmal wird der Transformator anders eingestellt, manchmal das Netz verstärkt.
Ist die Spannung am Hausanschluss in Ordnung und nur am Wechselrichter zu hoch, liegt es an der Zuleitung oder an einer Klemme. Dann zieht der Elektriker Klemmen nach oder verlegt ein Kabel mit größerem Querschnitt. Außerdem prüft er, ob das eingestellte Länderprofil zum Anschlussort passt. Bestimmte Netzfunktionen wie eine spannungsabhängige Blindleistungsregelung darf er nur im Rahmen der Vorgaben des Netzbetreibers aktivieren.
Beim Gespräch mit dem Netzbetreiber helfen konkrete Zahlen mehr als ein allgemeiner Hinweis. Exportiere aus dem ShineServer-Portal die Tage mit Abschaltungen und notiere die angezeigten Spannungswerte. Viele Netzbetreiber stellen dann für einige Tage ein Messgerät am Hausanschluss auf. Zeigt es Überschreitungen der zulässigen Grenzen, muss der Netzbetreiber handeln, und die Kosten dafür trägst nicht du.
Liegt die Messung dagegen im Rahmen, schaut der Installateur auf deine eigene Seite: Leitungslänge, Querschnitt, Klemmen und Einstellungen. Eine neue, kürzere oder dickere Zuleitung ist zwar Aufwand, beseitigt das Problem aber dauerhaft. Bei einem Batteriespeicher am MIN TL-XH kann außerdem eine höhere Eigenverbrauchsquote mittags die Einspeisespitze etwas abflachen, ersetzt aber keine Korrektur.
Wie dringend? Nicht dringend im Sinne von Gefahr. Aber jede Mittagsabschaltung kostet Ertrag. Sammle zwei, drei Wochen Daten aus der App, dann hat der Fachmann eine gute Grundlage für die Messung.
FAQ
Schadet Error 300 dem Wechselrichter?
Nein. Es ist eine vorgeschriebene Schutzabschaltung. Sobald die Spannung wieder im erlaubten Fenster liegt, schaltet sich der MIN TL-XH nach einer Wartezeit selbst wieder zu.
Warum passiert das nur mittags?
Mittags speisen viele PV-Anlagen im Ort gleichzeitig ein, während wenig verbraucht wird. Das hebt die Spannung im Niederspannungsnetz an. Dein Wechselrichter misst am Ende der Leitung den höchsten Wert und schaltet als Erster ab.
Darf ich die Spannungsgrenzen selbst ändern?
Nein. Die Grenzwerte ergeben sich aus den Anschlussregeln des Netzbetreibers und dem eingestellten Länderprofil. Änderungen darf nur der Fachbetrieb in Abstimmung mit dem Netzbetreiber vornehmen.
Wer ist zuständig: Installateur oder Netzbetreiber?
Beide, je nach Ursache. Der Installateur misst die Spannung am Wechselrichter und am Hausanschluss. Liegt schon am Hausanschluss eine zu hohe Spannung an, muss der Netzbetreiber das Netz prüfen.
Verliere ich viel Ertrag?
Das hängt von der Häufigkeit ab. Einzelne kurze Abschaltungen kosten wenig. Schaltet die Anlage an jedem Sonnentag über Mittag mehrfach ab, fehlt genau die ertragreichste Zeit, dann lohnt sich die Ursachensuche.
Redaktion PV-Fehler · Stand: · Keine Arbeiten an DC-Leitungen oder im Gerät. Angaben ohne Gewähr.