Ü20-Anlagen: Weiterbetrieb nach Ende der EEG-Förderung
Kurz gesagt
Nach 20 Jahren endet die feste Einspeisevergütung, die Anlage darf aber weiterlaufen. Kleine Anlagen erhalten nach aktueller Rechtslage für eingespeisten Strom eine Anschlussvergütung in Höhe des Marktwerts Solar abzüglich einer Kostenpauschale. Meist lohnt es sich, auf Eigenverbrauch umzustellen, weil selbst genutzter Strom deutlich mehr wert ist. Vorher sollten Wechselrichter, Stecker und Zählerschrank geprüft werden.
Seit 2021 fallen jedes Jahr zehntausende PV-Anlagen aus der EEG-Förderung. Die feste, oft hohe Einspeisevergütung endet nach 20 vollen Kalenderjahren plus dem Jahr der Inbetriebnahme. Viele dieser Anlagen laufen noch gut. Hier erfährst du, welche Möglichkeiten du hast und was du technisch beachten solltest.
Was nach dem Förderende passiert
Die Anlage muss nicht abgebaut werden, und der Netzbetreiber nimmt den Strom weiter ab. Wer nichts unternimmt, landet automatisch in der Anschlussvergütung: Für kleine Anlagen bis 100 kW gibt es für eingespeisten Strom den Jahresmarktwert Solar, abzüglich einer Kostenpauschale für die Vermarktung. Diese Regelung wurde mit dem Solarpaket I bis Ende 2032 verlängert. Der Marktwert schwankt von Jahr zu Jahr und liegt meist deutlich unter der früheren Vergütung und unter dem Preis, den du für Strom aus dem Netz zahlst.
Die genauen Werte veröffentlichen die Übertragungsnetzbetreiber. Informationen für Betreiber bieten auch die Verbraucherzentralen.
Deine Optionen
1. Weiter voll einspeisen. Am einfachsten, aber meist am wenigsten lukrativ. Sinnvoll, wenn Umbauten unverhältnismäßig teuer wären, etwa weil Zählerschrank oder Leitungswege aufwendig umgebaut werden müssten.
2. Umstellen auf Eigenverbrauch. Du nutzt den Solarstrom im Haus selbst und speist nur den Überschuss ein, für den es weiter die Anschlussvergütung gibt. Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde spart den vollen Strompreis. Dafür muss meist der Zähler getauscht oder umgebaut werden, damit Bezug und Einspeisung getrennt gemessen werden. Das organisieren Messstellenbetreiber und Elektriker.
3. Speicher ergänzen. Mit einem Speicher steigt der Eigenverbrauch deutlich. Bei alten Anlagen ohne Hybridwechselrichter geht das AC-gekoppelt. Siehe Batteriespeicher nachrüsten.
4. Direktvermarktung. Über einen Direktvermarkter lässt sich der Strom an der Börse verkaufen. Für kleine Anlagen lohnt sich das wegen der Kosten und der technischen Anforderungen selten.
5. Anlage erweitern oder erneuern. Wer auf dem Dach Platz hat, kann neue, deutlich leistungsfähigere Module ergänzen. Neue Module brauchen eine eigene Anmeldung und erhalten den aktuellen Vergütungssatz.
Technischer Check vor dem Weiterbetrieb
Eine 20 Jahre alte Anlage verdient eine gründliche Prüfung, bevor du Geld in einen Umbau steckst:
- Wechselrichter: Viele Wechselrichter der ersten Generation sind schon getauscht, manche laufen noch. Ein alter Wechselrichter, der mit einem Umbau ohnehin getauscht werden müsste, spricht für einen Hybridwechselrichter. Siehe Wie lange hält ein Wechselrichter?.
- Module: Leistung messen lassen. Degradation ist normal, einzelne schwache oder defekte Module sollten auffallen. Siehe Ertragseinbruch nach Jahren.
- Stecker und Kabel: Nach 20 Jahren sind Stecker, Kabel und Durchführungen ein häufiger Schwachpunkt. Siehe MC4-Stecker defekt.
- Unterkonstruktion und Dach: Muss das Dach bald saniert werden? Dann lohnt es, die Anlage im Zuge dessen zu erneuern.
- Zählerschrank: Alte Zählerschränke entsprechen oft nicht mehr den aktuellen Anforderungen. Wird er für den Umbau angefasst, kann eine Erneuerung fällig werden.
Die Prüfung macht ein Elektrofachbetrieb. Mehr dazu im Ratgeber Wartung der PV-Anlage.
Formalitäten
- Marktstammdatenregister: Die Anlage muss dort eingetragen sein, sonst drohen Kürzungen der Vergütung. Prüfe den Eintrag.
- Netzbetreiber: Einen Wechsel auf Eigenverbrauch meldest du dem Netzbetreiber. Er informiert dich über den Zählertausch.
- Steuer: Für kleine Anlagen auf Wohngebäuden gelten seit 2022 und 2023 steuerliche Vereinfachungen bei Einkommensteuer und Umsatzsteuer. Frag im Zweifel einen Steuerberater.
Kurz zusammengefasst
Nach 20 Jahren darf die Anlage weiterlaufen und bekommt den Marktwert Solar abzüglich einer Pauschale. Meist lohnt die Umstellung auf Eigenverbrauch, eventuell mit Speicher. Vorher gehören Wechselrichter, Module, Stecker und Zählerschrank auf den Prüfstand.
Redaktion PV-Fehler · Stand: · Angaben ohne Gewähr.