Hohe Netzspannung in PV-Straßen: Was Anlagenbetreiber tun können

Kurz gesagt

Speisen viele PV-Anlagen in einer Straße gleichzeitig ein, steigt die Spannung im Ortsnetz. Liegt sie im 10-Minuten-Mittel über 253 Volt, schalten Wechselrichter ab, oft genau an den sonnigsten Mittagen. Als Betreiber kannst du Eigenverbrauch erhöhen, die Leitung zum Wechselrichter prüfen lassen und Messungen dokumentieren. Die eigentliche Lösung, etwa ein anderer Trafo-Stufenschalter oder Netzausbau, ist Sache des Netzbetreibers.

In Neubaugebieten und Dörfern mit vielen Solardächern kennen es manche Nachbarn gleichzeitig: An schönen Tagen schalten die Wechselrichter mittags ab, melden Netzüberspannung und starten nach einer Minute neu. Das Spiel wiederholt sich, bis die Sonne weiterzieht. Hier erfährst du, warum das passiert und was du tun kannst.

Warum die Spannung steigt

Früher floss Strom nur in eine Richtung: vom Trafo zu den Häusern. Auf dem Weg sinkt die Spannung ein wenig, deshalb stellen Netzbetreiber den Trafo oft etwas höher ein, damit am Ende der Leitung noch genug ankommt.

Mit PV-Anlagen dreht sich die Richtung um. Mittags schieben viele Häuser Strom zurück in Richtung Trafo. Dabei steigt die Spannung an jedem einspeisenden Haus, und zwar umso mehr, je weiter es vom Trafo entfernt ist und je dünner die Leitungen sind. Kommen hoch eingestellter Trafo, lange Leitungen und viele Anlagen zusammen, wird es eng.

Die Grenzwerte

Nach DIN EN 50160 darf die Netzspannung von 230 Volt um zehn Prozent abweichen, also zwischen 207 und 253 Volt liegen. Die VDE-AR-N 4105 verlangt, dass Wechselrichter sich trennen, wenn der 10-Minuten-Mittelwert 253 Volt übersteigt. Hinzu kommt der Spannungsabfall auf der Leitung zwischen Zähler und Wechselrichter. Am Wechselrichter misst das Gerät also etwas mehr als am Hausanschluss. Details im Ratgeber Netzüberspannung am Wechselrichter.

Typische Anzeichen

  • Abschaltungen nur an sonnigen Tagen, vor allem zwischen etwa 11 und 15 Uhr,
  • Meldungen wie „Netzüberspannung“, „Grid Overvoltage“, „Vac High“ oder bei SMA ein Ereignis zum 10-Minuten-Mittelwert,
  • die Leistungskurve hat mittags Lücken oder Zacken statt einer glatten Glocke,
  • Nachbarn mit PV-Anlage haben ähnliche Probleme,
  • am Wochenende oder an Feiertagen, wenn weniger Strom verbraucht wird, ist es schlimmer.

Was du selbst tun kannst

1. Eigenverbrauch mittags erhöhen. Jede Kilowattstunde, die im Haus bleibt, fließt nicht ins Netz. Waschmaschine, Spülmaschine, Wärmepumpe oder Wallbox in die Mittagszeit legen hilft etwas, ein Batteriespeicher mehr. Das löst das Problem nicht, verringert aber die Verluste. Mehr Ideen folgen im Ratgeber zum Eigenverbrauch.

2. Leitung zum Wechselrichter prüfen lassen. Ist die AC-Leitung vom Zählerschrank zum Wechselrichter lang oder dünn, steigt die Spannung dort zusätzlich. Ein Elektriker kann messen, wie groß der Unterschied zwischen Hausanschluss und Wechselrichter ist. Manchmal hilft ein größerer Leitungsquerschnitt. Wie das abläuft, steht im Ratgeber Spannungsanstieg am Hausanschluss messen.

3. Anschlüsse prüfen lassen. Eine lockere Klemme im Zählerschrank verursacht ebenfalls erhöhte Spannung am Wechselrichter und kann gefährlich heiß werden. Das gehört in die Hand einer Elektrofachkraft.

4. Blindleistung einstellen lassen. Nimmt der Wechselrichter Blindleistung auf, senkt das die Spannung am Anschlusspunkt etwas. Die Einstellung muss mit dem Netzbetreiber abgestimmt sein. Siehe Blindleistung und cos φ.

5. Dokumentieren. Notiere Datum, Uhrzeit und Meldung jeder Abschaltung, exportiere die Ereignisse aus dem Wechselrichter und die Spannungswerte, wenn dein Gerät sie aufzeichnet. Das ist die Grundlage für ein Gespräch mit dem Netzbetreiber.

Was du nicht tun solltest

Die Abschaltgrenzen im Wechselrichter hochsetzen oder ein anderes Länderprofil wählen, damit er länger durchhält, ist keine Lösung. Diese Werte sind vorgeschrieben, ihre Änderung ist nicht erlaubt und gefährdet andere Geräte im Netz. Auch Installateure dürfen sie nicht ohne Zustimmung des Netzbetreibers verändern.

Was der Netzbetreiber tun kann

Die Spannungsqualität am Hausanschluss liegt in der Verantwortung des Netzbetreibers. Er hat mehrere Möglichkeiten:

  • Trafo-Stufenschalter anpassen: Oft lässt sich die Spannung am Ortsnetztrafo mit geringem Aufwand etwas senken.
  • Regelbarer Ortsnetztrafo: Er passt die Spannung automatisch der Last an.
  • Netzverstärkung: dickere Kabel oder ein zusätzlicher Trafo.
  • Netz umschalten: Den Straßenzug an einen anderen Trafo hängen.
  • Blindleistungsvorgaben für neue Anlagen.

Damit der Netzbetreiber aktiv wird, braucht er Hinweise und Daten. Wie du vorgehst, erklärt der Ratgeber Netzbetreiber kontaktieren wegen Spannungsproblemen. Es lohnt sich, wenn betroffene Nachbarn sich gemeinsam melden.

Kurz zusammengefasst

Viele PV-Anlagen in einer Straße heben mittags die Netzspannung an, bis Wechselrichter über 253 Volt im 10-Minuten-Mittel abschalten. Du kannst Eigenverbrauch erhöhen, Leitung und Klemmen prüfen lassen und Abschaltungen dokumentieren. Dauerhaft lösen muss es der Netzbetreiber.

Redaktion PV-Fehler · Stand: · Angaben ohne Gewähr.

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