Batteriespeicher im Winter: Tiefentladeschutz erklärt

Kurz gesagt

Im Winter reicht der PV-Strom oft nicht, um den Speicher zu füllen. Damit die Batterie nicht tiefentladen wird, hält das System einen Mindestladestand und lädt bei Unterschreiten kurz aus dem Netz nach. Das ist normal und schützt die Zellen. Ein etwas höherer Mindestladestand im Winter, ein frostfreier Aufstellort und gelegentliche Vollladungen zur Kalibrierung sind sinnvoll.

Von November bis Februar steht der Speicher bei vielen Anlagen die meiste Zeit bei 0 bis 10 Prozent. Manchmal zieht er sogar Strom aus dem Netz, obwohl er doch eigentlich Netzstrom sparen soll. Hier erfährst du, was dahintersteckt und welche Einstellungen im Winter sinnvoll sind.

Warum der Speicher im Winter leer bleibt

Im Dezember erzeugt eine PV-Anlage in Deutschland oft nur einen Bruchteil ihres Sommerertrags. Wie viel, hängt von Lage und Ausrichtung ab. Gleichzeitig ist der Verbrauch höher: Licht, Heizungspumpe, bei Wärmepumpen deutlich mehr. Der wenige Solarstrom wird tagsüber direkt verbraucht, für den Speicher bleibt kaum etwas übrig. Das ist kein Fehler, sondern Physik. Mehr zu normalen Winterwerten im Ratgeber Ertrag im Winter.

Was Tiefentladung ist und warum sie schadet

Auch eine „leere“ Lithium-Batterie ist nicht ganz leer. Der angezeigte Ladestand von 0 % liegt noch über der Grenze, ab der die Zellen Schaden nehmen. Der Puffer ist nötig, weil die Batterie sich auch ohne Nutzung langsam selbst entlädt, und weil das Batteriemanagement (BMS) und bei manchen Systemen der Wechselrichter selbst Strom aus der Batterie ziehen.

Sinkt die Zellspannung unter die Mindestgrenze, spricht man von Tiefentladung. Die Zellen können dauerhaft Kapazität verlieren, im schlimmsten Fall lassen sie sich nicht mehr laden. Viele Hersteller schließen Schäden durch Tiefentladung von der Garantie aus.

So schützt sich das System

Mindestladestand (Min-SOC): Der Speicher wird im Normalbetrieb nur bis zu einem eingestellten Wert entladen, zum Beispiel 5 oder 10 %. Den Rest hält er als Reserve.

Zwangsladung: Fällt der Ladestand darunter, etwa durch Eigenverbrauch des Systems über mehrere trübe Tage, lädt das System kurz aus dem Netz nach. Bei Fronius GEN24 berichten Nutzer zum Beispiel von einer Nachladung mit etwa 500 Watt, wenn der Ladestand knapp unter den Mindestwert fällt. Das sind kleine Mengen, und sie sind gewollt.

Abschaltung: Wird der Ladestand trotzdem kritisch, schaltet das BMS die Batterie ab, um die Zellen zu schützen. Danach kann ein Neustart oder eine Zwangsladung durch den Installateur nötig sein.

Welche Einstellungen im Winter sinnvoll sind

  • Mindestladestand leicht erhöhen: Ein Wert von 10 bis 20 % im Winter gibt mehr Puffer gegen Tiefentladung und für Notstrom. Manche Systeme haben dafür einen automatischen Wintermodus. Der Preis ist ein etwas kleinerer nutzbarer Speicher.
  • Notstromreserve prüfen: Wer eine Notstrom- oder Ersatzstromfunktion hat, sollte sicherstellen, dass eine Reserve bleibt. Siehe Notstrom vs. Ersatzstrom.
  • Laden aus dem Netz nur gezielt: Manche Systeme erlauben, die Batterie aus dem Netz zu laden, etwa bei einem dynamischen Stromtarif. Das rechnet sich nur, wenn der Preisunterschied groß genug ist, weil beim Laden und Entladen Verluste entstehen.
  • Gelegentlich voll laden: Die Ladestandsanzeige wird ungenau, wenn der Speicher wochenlang nie voll wird. Viele Systeme kalibrieren sich bei 100 %. An einem sonnigen Wintertag oder per Kalibrierladung, die der Installateur auslöst, wird die Anzeige wieder genauer. Mehr im Ratgeber SOC-Anzeige springt.

Temperatur nicht vergessen

Steht der Speicher in einer unbeheizten Garage, kommt im Winter die Kälte dazu. Lithium-Batterien dürfen bei niedrigen Temperaturen nur eingeschränkt laden. Der wenige Solarstrom kommt dann noch schlechter in die Batterie. Mehr im Ratgeber Batteriespeicher zu heiß oder zu kalt.

Wann du den Installateur rufen solltest

  • Der Speicher zeigt über Wochen 0 % und lädt auch an sonnigen Tagen nicht, siehe Batteriespeicher lädt nicht.
  • Es erscheinen Fehlermeldungen zu Unterspannung oder Tiefentladung.
  • Der Speicher bezieht dauerhaft deutlich mehr Netzstrom als ein paar kurze Nachladungen.
  • Die Batterie hat sich abgeschaltet und startet nicht wieder.

Ausschalten über den Winter?

Manche Betreiber überlegen, den Speicher im Winter ganz abzuschalten. Davon raten die meisten Hersteller ab: Ohne Überwachung entlädt sich die Batterie langsam selbst und kann tiefentladen werden. Wenn überhaupt, dann nur nach Anleitung des Herstellers und mit ausreichendem Ladestand.

Kurz zusammengefasst

Ein leerer Speicher im Winter ist normal. Mindestladestand, Zwangsladung und Abschaltung schützen die Zellen vor Tiefentladung, kleine Netzbezüge sind dabei gewollt. Ein etwas höherer Mindestladestand, ein frostfreier Aufstellort und gelegentliche Vollladungen sorgen dafür, dass der Speicher gut durch den Winter kommt.

Redaktion PV-Fehler · Stand: · Angaben ohne Gewähr.

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